| Streit um das Weihnachtsmannzählen |
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Eine Tradition sorgt für Unruhe: Das Zählen der Weihnachtsmänner jeden Sonntag auf dem Weihnachtsmarkt wurde ein Fall für den Anwalt.
Itzehoe – Jeden Adventssonntag können Kinder die Lebkuchen-Weihnachtsmänner an den Hütten auf dem Weihnachtsmarkt zählen. Die Lösung wird auf einen Teilnahmeschein eingetragen, mit Glück wartet wenig später ein Zehn-Euro-Gutschein. Mindestens seit Beginn der 90-er Jahre gibt es diese Aktion der Budenbetreiber – doch in diesem Jahr sorgt sie für Ärger.
Initiator der Aktion ist Schausteller Erich Wedekind, der mit seinem Burgunderschinken in diesem Jahr wieder auf dem La-Couronne-Platz steht. Das Gewinnspiel sei „immer toll angekommen“ und habe den einst mauen Sonntag sehr belebt. Also war es für ihn ein Selbstgänger, als er sich Ende November im Büro des Stadtmanagements der gewohnten Mitarbeit versichern wollte. Doch Stadtmanager Wolfgang Helms winkte ab: Keine Zeit, zu viel anderes zu tun. „Das ist auch so“, sagte Helms gegenüber unserer Zeitung. „Es wäre unfair, wenn wir sagen, dass wir es machen, und es dann nicht können.“ Wedekind kündigte sofort seine Mitgliedschaft im Verein „Wir für Itzehoe“: „Wenn keine Werbeaktionen gemacht werden, bin ich da falsch.“ Helms bedauert den Schritt und die „vielleicht falschen Schlüsse“ Wedekinds, aber: Dessen Sichtweise würde bedeuten, dass das Stadtmanagement Werbeaktionen jedes Geschäfts unterstützen müsse.
Alles gut? Nein. Was folgte, war viel Verwirrung, zum Beispiel bei „Hertie“. Geschäftsführer Markus Montag verfügte, dass die Gutscheine mit dem Siegel der Werbegemeinschaft nicht angenommen werden. Das Stadtmanagement sei die offizielle Vertretung, das „Halb-Offizielle“ verwirre nur alle. „Da tut er“ – gemeint ist Lorenz – „Itzehoe keinen Gefallen mit. Es wäre auch schön, wenn er die Leute vorher informiert.“ Das wiederum versteht Wedekind nicht: In dem Kaufhaus, wie in anderen Innenstadtgeschäften, die sie ablehnen, kenne man die Gutscheine seit Jahren. Lorenz’ Nummer stehe für Nachfragen darauf. Ein weiterer Farbtupfer in dem Wirrwarr ist der Fall von Bianca Tonn. Die Elfjährige aus Breitenburg-Nordoe gewann einen Gutschein, wartete aber wochenlang vergebens, wie ihre Mutter Regina berichtet: „Dann sollen die es lassen.“ Mittlerweile kam die Post, offenbar mit Hilfe des Ordnungsamtes als Adressenermittler. Gewinnern, deren Gutscheine Läden nicht einlösen wollen, wird im Übrigen von den Initiatoren unbürokratische Abwicklung versprochen. „Wir wollen keinen Streit, gerade vor Weihnachten muss das nicht sein“, sagt Regina Mohr. Doch die verwirrten Nachfragen beim Stadtmanagement nahmen überhand sich. Die Reaktion ist für Wedekind „Kindergartenkram“: Der Anwalt des Stadtmanagements schickte eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung an Lorenz’ Firma. Denn die Formulierung, dass der Gutschein in allen Geschäften eingelöst werde, sei eine Irreführung, so Helms – zumal die Werbegemeinschaft in der öffentlichen Wahrnehmung nicht existent sei. Jetzt gibt es die gewünschte Klarheit. Lorenz, zurzeit nicht in Itzehoe, antwortete: Für einen Rechtsstreit sei die Zeit zu schade, den Kindern wolle man die Freude nicht nehmen. Der Gutschein wurde geändert und ist nur noch „einzulösen an allen Weihnachtshütten“. Den Schriftzug „in allen Geschäften der Innenstadt“ verdecken Kerzen. LARS PETER EHRICH (Norddeutsche Rundschau, 18. Dezember 2007)
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Wedekind erinnerte sich an den Partner früherer Zeiten, den Handel- und Gewerbeverein, der seit der „Wir“-Gründung ein Schattendasein führt. Und Hans Emil Lorenz mit seiner Werbegemeinschaft griff sofort zu: Teilnahme- und Gutscheine wurden gedruckt, ein Weihnachtsmann für die sonntägliche Verteilung wurde gebucht. „Es ist traurig, wenn so eine Traditionsveranstaltung ins Wasser fällt“, erklärt Lorenz