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Leere Kassen, dunkle Gassen?

(sh:z) Grauer Alltag in vorweihnachtlichen Einkaufsstraßen des Landes - eine ungemütliche Vorstellung. Aber nicht ganz abwegig. Das Geld ist knapp, Städte und Kommunen sparen, wo sie können. Da kommt die Weihnachtsbeleuchtung gerade recht. Wo Sponsoren nicht zahlen, droht der weihnachtliche Einkaufsbummel zur tristen Veranstaltung zu werden. Ein Problem kennen alle Kommunen: Die Filialisten in den Einkaufsstraßen zahlen kaum.

Besonders schwierig ist die Lage in der selbsternannten Weihnachtsstadt des Nordens, Lübeck. Dort wird noch um die Finanzierung der Illumination gerungen. Zwar habe ein Sponsor zugesagt, 20.000 Euro zu übernehmen. "Die Frage ist aber, ob das Geld reicht und wer die Beleuchtung aufhängt", sagt die Sprecherin der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH, Doris Schütz. Für heute ist ein klärendes Krisengespräch angesetzt.

Ähnlich düster wie in Lübeck sind die Aussichten in Itzehoe. "Wir warten noch auf die Rückmeldung des Einzelhandels", sagte Meike Voss vom Stadtmanagement. Die Zeit ist knapp, das Interesse gering. "Uns fehlen insgesamt 2000 Euro", so Voss.

In Kiel scheint angesichts gern gepflegter Rivalität zu Lübeck das Motto "Jetzt erst recht" zu herrschen. Auch in der Landeshauptstadt kam in den vergangenen Jahren die Sorge auf, dass es dunkel bleiben muss. Deshalb schrieb Kiel Marketing die Händler an und fügte gleich Rechnungen bei. Die Resonanz war besser als er wartet. "Wir haben mit mehr Entrüstung gerechnet", sagt Projektmanagerin Janine-Christine Schmidt. Ihr Fazit: "Wir können das so machen wie immer." In Kiel zahlt der Handel für die Beleuchtung.

Rendsburg lässt wie gehabt Weihnachtsbäume strahlend erleuchten. Privatleute und Gewerbe treibende gestalten die Einkaufsstraßen. "Rendsburg wird wunderbar beleuchtet", kündigt Bürgermeister Andreas Breitner an.

Gleiches verspricht Neumünster. "Da gibt es keinerlei Einschränkungen", sagt Stadtsprecher Stephan Beitz. "Die Kosten für die Lichter teilen sich die Stadt und der Einzelhandel", sagt Hans-Jürgen Holland, Abteilungsleiter Haushalt und Finanzen der Schwalestadt.

In Flensburg wird im Zuge der Neugestaltung der Fußgängerzone eine neue Weihnachtsbeleuchtung angebracht. "Wir konnten so die Kosten von 35.000 Euro jährlich auf 6000 Euro senken", sagt der Projektleiter der Flensburg Fjord Tourismus GmbH, Finn Jensen.

Keine Frage sei es, ob in Westerland auf Sylt die Weihnachtsdekoration aufgehängt wird. "Eine Stadt, die stark vom Fremdenverkehr geprägt ist, sollte auf die Beleuchtung nicht verzichten", sagt Erik Ipsen, Leiter des Ordnungsamtes. Er beziffert die Kosten auf rund 25.000 Euro. "Die teilen sich der Tourismusservice und die Stadt", so Ipsen.

Eutin macht seit Jahren mit aufwändigen Lichtinstallationen von sich reden. Die Wirtschaftsvereinigung mit ihren rund 100 Mitgliedern bezahlt die Attraktion. "Wir erheben einen Gesamtbeitrag, aus dem die Beleuchtung, unsere Rodelbahn auf dem Markt und die Aktionen an den verkaufsoffenen Sonntagen bezahlt werden", sagt der Vorsitzende der Vereinigung, Klaus Hoth. Bei den Filialisten brauche man aber Überredungskraft, um sie zum Mitmachen zu bewegen.

Wie in dem von Theodor Storm noch als "Graue Stadt am Meer" beschriebenen Husum wird auch in Eckernförde die Fußgängerzone festlich erstrahlen. "Die Weihnachtsbeleuchtung wird ehrenamtlich auf die Straßenlaternen angebracht", sagt Wilfried Wagner, Vorsitzender des Wirtschaftskreises Eckernförde.

Fazit: Die Aussichten auf angemessen erleuchtete Innenstädte zur Vorweihnachtszeit sind in Schleswig-Holstein nicht überall so düster wie in Lübeck und Itzehoe.

(Norddeutsche Rundschau, 23. Oktober 2008)