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Heiße Würstchen beim Bürgermeister
Lohn für Kampf gegen Müll

Itzehoe / ara – Eigentlich gehört er in dafür vorgesehene Behälter. Doch immer wieder landet Müll auf der Straße. Dass es auch anders geht, zeigten in Itzehoe knapp 700 Freiwillige im Rahmen der Aktion „Sauberes Schleswig-Holstein“, die dem Aufruf der Stadtverwaltung und des Stadtmanagements folgten.

Gleich nach dem Frühstück machten sich die Helfer auf den Weg. Mit dabei: Bürgermeister Rüdiger Blaschke und Bürgervorsteher Heinz Köhnke. Zunächst fuhren die beiden Stadtoberhäupter zum Störpavillon am Stadthafen. „Ein ganzer Haufen Zeitungen lag da“, verriet Blaschke, „sogar noch im Bündel verpackt.“ Auch einen Ölkanister entdeckten die Helfer.

Niemand musste sich bei der Aktion die Hände schmutzig machen, Sponsoren hatten Müllsäcke und Handschuhe zur Verfügung gestellt. Und eine Belohnung hatte der Bürgermeister parat: „Es gibt nachher noch Würstchen im Rathaus.“

nr080317Keine Würstchen, aber einen wärmenden Kaffee gab Stadtmanager Wolfgang Helms seinen Helfern aus. Blitzblank fegte die Gruppe die Breite Straße – das allerdings nicht ganz in Handarbeit, eine Kehrmaschine der Hausverwaltung Ohlsen half ihnen dabei. „Die Firma lebt eben das Gefühl des Stadtmarketingvereins“, sagte Helms. Während die Maschine Zigarettenkippen und Sand aufsaugte, sammelten die Helfer den größeren Müll.

Inzwischen hatten sich Blaschke und Köhnke von der Sauberkeit in der Breiten Straße überzeugt und zogen weiter zu den Malzmüllerwiesen. An der Schumacherallee sah Köhnke den ersten Müll und stürzte sich förmlich darauf. „Ich glaube, das kommt aus aufgeplatzten Gelben Säcken.“ Blaschke kehrte derweil vor der eigenen Tür: Im Teich vor dem Rathaus fand er Teile eines Autos – komplett mit Scheinwerfern.

Ines Wüstenberg und Fritz Kunkelmoor sammelten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Ich ärgere mich seit Jahren darüber, dass die Leute ihren Unrat einfach in die Natur werfen“, sagte er. Die beiden stießen auf einen kuriosen Fund: einen Mini-Sarg mit einem Wellensittich, dessen Seebestattung im Gebüsch endete. Ines Wüstenberg fand sogar einen Fünf-Euro-Schein. „Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen“, gestand sie, „den hat bestimmt ein kleiner Junge verloren.“ Sonja Leonhardt und Hans-Hermann Kock sammelte sogar eine Spielzeugpistole ein.

Anschließend zog es Blaschke und Köhnke zum nächsten Sammelpunkt: Dem Stormsteich. Doch dort war kein Müll mehr zu sehen, die Helfer hatten nach getaner Arbeit bereits das Weite gesucht. „Die haben alle ihre Arbeit sehr gut gemacht“, sagte der zufriedene Bürgermeister. Auf dem Rückweg durch den Wald fand er noch etwas: einen Fahrradsattel und eine schwere Rasenrolle. „30 Kilo wiegt die bestimmt“, schätzte Köhnke, der den Koloss mit Blaschke in den Kofferraum hievte.

An der Tonkuhle trafen sie den Pfadfinderstamm „Christopherus“. Die Gruppe hatte eine alte Waschwanne und die Reste eines Kinderautos gefunden. „In so einer Wanne habe ich damals gebadet“, erinnerte sich Blaschke.
(Norddeutsche Rundschau, 17. März 2008)